(AGENPARL) - Roma, 10 Maggio 2023 - (AGENPARL) – mer 10 maggio 2023 [Südtiroler Landtag]
Südtiroler Landtag
Landtag
Plenarsitzung – Mehrsprachigkeit im Bildungssystem und Maßnahmen für die Jugend – mit FOTOS
Anträge von Grünen und Team K
Der Antrag war in der [April-Sitzung des Landtags](https://egjaabf.r.af.d.sendibt2.com/tr/cl/3TMQ2yGLL8eiY6ezhrcpbqvrTlDQXX6NPnV0aIFnKm67wC3H_t8Yxbyqw7b71_ia5tptWYWaWraoeGd-R9GPKKGsFlhb2KLa6h4yT8erI5aMADeqtdjHXTeO66bmUCcJaq9KPZDk-Myz3wrjwUJh6-pIbGTNwTm7kTMhIVO_j6MxhnMCm0qSOSaJ6uBKWEF33rS2b3Pq6SS-a_tnOZlkf9juH4cCBwQ9VlgoSWvBTYxhpbt71QSAMR4w80OhM1OYCuZ1KPvpEgYiGntGMR6Fh4LzJWwnyhP-) bereits andiskutiert worden. Aufgrund dieser Stellungnahmen, erklärte Einbringerin Brigitte Foppa (Grüne), habe man Änderungen am Antrag vorgenommen. Sie habe bei der Diskussion bemerkt, dass der Vorschlag im Antrag Emotionen geweckt habe, insbesondere der Begriff der Muttersprache – deshalb habe sie den von ihr verwendeten Begriff Erstsprache mit Muttersprache ersetzt. Sie wolle ergänzen, dass es – gerade in unserem Land – möglich sei, dass Personen mehrere Muttersprachen hätten.
Diego Nicolini (5 Sterne Bewegung) zeigte sich mit dem Antrag einverstanden, wenn er auch etwas verwässert und auf das Minimum reduziert sei. Man spreche von Mehrsprachigkeit, doch wisse man, dass in der Praxis die italienische Sprachgemeinschaft mehr darunter leide. Es war auch die Rede von denjenigen, die in der Mehrsprachigkeit die “Schlauen” spielten. Es bestehe das verfassungsmäßige Recht, die Schulsprache zu wählen, die man bevorzuge. Wenn italienische Eltern ihre Kinder in die deutsche Schule einschreiben, dann sei das ein Recht. In den italienischen Schulen gebe es bereits verschiedene Projekte, auch mit CLIL. Er habe jahrelang dafür gekämpft, dass bei den Lehrkräften der italienischen und deutschen Schulen Angleichungen gemacht würden, denn wenn man zwei verschiedene Ausbildungs- und Anstellungssysteme habe, sei es schwierig.
Alex Ploner (Team K) zeigte sich verwundert über die Aussagen von Landesrätin Deeg, die im ersten Teil der Diskussion gesagt habe, dass hier Personen zur Schule sprächen, die selbst nie in einer Klasse gestanden hätten. Doch er spreche hier als Vater, als gewählter Abgeordneter u.v.m. Es gehe nicht um Deutsch gegen Italienisch, es gehe darum, dass man in Südtirol ein schlechtes Niveau der Sprachvermittlung habe – das müsse man ändern. Das Modell der europäischen Schule, dass das Team K vorgeschlagen habe, sei ein Modell der Stärkung der Muttersprache. Die Eltern könnten die Schule frei wählen. Das Team K werde dem Antrag zustimmen.
Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) berichtete, dass die ladinische Schule, die immer als Vorzeigemodell präsentiert werde, ein schlechtes Beispiel sei. Ihm sei nämlich – wie dem Abg. Ploner auch – berichtet worden, dass die Ladiner immer schlechter Deutsch sprechen würden. Der Antrag werde nun in Zuckerwatte gepackt; dennoch gelte es im Landtag die Muttersprache zu verteidigen. Es gehe darum, die Frage zu stellen: Wie können die Kinder in unseren Schulen mehrere Sprachen lernen, ohne dass dies auf Kosten der Muttersprache geht? Man könne Südtirol nicht mit Schulsystemen in homogenen Sprachgebieten vergleichen. Was bedeute es im Detail, wenn es eine gemischtsprachige Schule gebe? Wo höre dies auf, bei Deutsch, Italienisch und Ladinisch oder gehe es auch weiter zu Arabisch und anderen Sprachen? Welche Schule wolle man in Südtirol? Man müsse aufhören, die deutsche Schule in Südtirol schlechtzureden. Jeder habe die Möglichkeit, mehrere Sprachen zu lernen.
Riccardo Dello Sbarba (Grüne) erklärte, er verstehe, dass bald Wahlen seien und dass alles etwas hochgeschaukelt werde. Auch die Landesregierung solle ein eine Tagung zur Zukunft der Schule veranstalten. Denn die Umstände hätten sich geändert: Es gebe Kinder, die sich in beiden Kulturen beheimatet fühlten – das werde verschwiegen. Eine der Richtungen, die eingeschlagen werden könnten, sei in der Rahmenkonvention der EU zum Schutz der nationalen Minderheiten enthalten. Demnach zählt das Recht auf Schutz zu den Menschenrechten. Das Recht auf muttersprachlichen Unterricht sei garantiert und werde mit diesem Antrag auch nicht abgesprochen, sondern es solle eine zusätzliche Möglichkeit geboten werden für jene, die es wollten. Es gebe auch andere Gruppen, die das Recht hätten, ihre Bedürfnisse auszudrücken, diese dürften nicht vergessen werden.
Es sei einiges gesagt worden, das er teilen könne, anderes nicht, schickte LR Philipp Achammer voraus. Er habe ein Problem damit, wenn bei der Schule in jüngerer Zeit immer mehr eine “Bestellmentalität” vorherrsche. In Bezug auf die Sprache scheine ihm, dass in dieser “alten” Diskussion an der Realität im Land vorbeidiskutiert werde. Die Erfahrung der Vergangenheit habe gezeigt, dass ein Mehr nicht unbedingt ein besseres Resultat bringe. Aufgrund von Studienergebnissen habe es Anpassungen gegeben. So seien die Rahmenrichtlinien geändert worden; die Konversation stehe im Mittelpunkt. Es gebe, wenn man von der deutschen Schule spreche, einen erheblichen Mangel an Zweitsprachen-Lehrkräften; man habe versucht, darauf zu reagieren. Man müsse immer die Realität vor Ort anschauen. Im Bildungsbereich seien manche Zyklen sehr langsam; wenn heute die Ausbildung geändert werde, dann sei das erst in einigen Jahren ersichtlich. Die freie Schulwahl – wie in Punkt 1 gefordert – sei bereits gegeben. Es gebe auch bereits Projekte, die wissenschaftlich begleitet würden. Man müsse weiterhin an der Qualität des Unterrichts arbeiten.
Landesrat Giuliano Vettorato unterstrich, dass er sich für die freie Schulwahl eingesetzt habe. Was die Mehrsprachigkeit in der italienischen Schule anbelange: Es sei ein Minimum von 6 Stunden pro Woche vorgesehen, doch 98 Prozent der Schulen erhöhten das Pensum – zum Teil erheblich. Auch das Pensum des Englischunterrichts sei in vielen Fällen höher als das vorgesehene Minimum. Es gebe auch Sprachkurse für die Lehrpersonen, auch um auf die Bedeutung der Mehrsprachigkeit hinzuweisen. Die wissenschaftliche Begleitung durch Universität und Eurac gebe es. l
Brigitte Foppa (Grüne) betonte an LR Achammer gerichtet, dass ihr Vorschlag nicht die Lösung der Probleme des Schulsystems sei, sondern den Wünschen der Eltern entspreche. Es gebe zwar mehrsprachige Lehrer, aber für diese sei es schwierig, die Schule zu wechseln, deshalb spreche sie in ihrem Antrag von Durchlässigkeit. Sie habe viele Jahre in der Schule als “Supplentin” gearbeitet, dabei habe sie viel gelernt und der Schule einiges gegeben – es habe sich nie die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Wettbewerb ergeben. In diesem Sinne fände sie es nicht korrekt, wenn die Landesrätin sage, dass man nur als Lehrperson mit Lehrbefähigung etwas zur Schule sagen könne. Das sei auch eine Herabwürdigung aller Supplenten an den Schulen. Abschließend verwies sie auf eine Petition zur mehrsprachigen Schule, die von vielen Menschen unterzeichnet worden sei.
Der Antrag wurde mit 11 Ja und 20 Nein abgelehnt.
Alex Ploner (Team K) unterstrich, dass er beim Landesrat nichts bestellen wolle, sondern glaube, dass es bei diesem Antrag um Dinge gehe, die den jungen Menschen guttäten: Der Maturaball sei eine Chance, der jedes Jahr aufs Neue Maturanten beschäftige. Es gebe Maturabälle im Land, die ein Gesamtbudget von mehr als 100.000 Euro managen müssten. Und damit würden die Jugendlichen alleine gelassen. Sein Vorschlag sei es, die Organisation des Maturaballs zum schulischen Projekt zu machen, als Teil der gesellschaftlichen Bildung. Denn das, was die Maturanten bei diesen Maturabällen machten, machten sie später für die Vereine. Man könne Präventionsarbeit machen, es gehe um das Finanzielle, Versicherungen etc. Sein zweiter Vorschlag sei, den Expertenunterricht zu fördern. Das werde zwar bereits gemacht, doch es sei sehr aufwändig. Er schlage vor, einen Arbeitstisch einzurichten und das derzeitige System zu überdenken; es sollte auch ein Verzeichnis von Experten erstellt werden. Der nächste Punkt sei die Stärkung des Unterrichtsfaches Rechts- und Wirtschaftskunde, etwa indem es nicht in den ersten beiden Oberschuljahren mit wenigen Wochenstunden, sondern in den letzten drei angeboten würde. Junge Menschen seien sehr sensibel dafür, ob man sie ernst nehme oder nicht – und wenn man sie einmal nicht ernst nehme, dann wollen sie nachher nichts mehr davon wissen. Er schlage in diesem Sinne auch einen Jugendlandtag vor.
Maria Elisabeth Rieder (Team K) erinnerte an den gestrigen Festakt zum Europatag, bei dem auch die Siegerklasse des Kurzfilmwettbewerbs ausgezeichnet worden war. Bei ihren Gesprächen mit Jugendlichen höre sie oft, dass sie sich nicht ernst genommen fühlten. Unlängst habe ihr eine Klasse, die den Landtag besucht habe, Vorschläge und Forderungen zukommen lassen – besonders aufgefallen sei ihr Forderung der Wiedereinführung des Fachs Rechts- und Wirtschaftskunde und die Einführung eines Jugendlandtags. Die Annahme des Antrages wäre ein wichtiges und gutes Zeichen dafür, dass man die Jugend ernst nehme.
Wenn sie Klassen durch den Landtag führe, erzählte Brigitte Foppa (Grüne), mache sie manchmal eine Simulation. Unlängst sei in diesem Rahmen sehr intensiv über die Senkung des Wahlalters auf 16 diskutiert worden; die Jugend wolle mitreden. Deshalb finde sie einen Jugendlandtag bereichernd. Sie werde auch die Punkte 2 und 3 mitstimmen. Eine Schule, die offener gegenüber der Arbeitswelt sei, sei zu fördern. Skeptischer sei sie gegenüber dem Thema Maturabälle: Sie sei sich noch nicht sicher, ob ein Maturaballprojekt aus der Tatsache heraus, unbegleitet zu sein, nicht eine Erfahrung und ein Erfahrungsgewinn sei – mit allen Risiken, die sicherlich dabei wären. Es könnte auch ein Wert darin liegen, dies als Klassengemeinschaft auszufechten und anzugehen.
In sehr vielen Schulen, würden die Bälle nicht nur von den fünften, sondern von den vierten Klassen mitorganisiert, bemerkte Andreas Leiter Reber (Freiheitliche). Die Begleitung solle im Rahmen der Schulautonomie bleiben. Es gebe in Südtirol sehr wohl noch Bälle, allerdings nicht so große wie in Österreich oder dem süddeutschen Raum. Zu Punkt 3 und zum Jugendlandtag stimmten die Freiheitlichen voll zu.
Das Thema Jugendlandtag habe ihm ein politisches Déjà-vu beschert, sagte Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit): Ein solcher sei als 16-Jähriger sein erstes politisches Projekt gewesen. Doch als der Vorschlag im Landtag vorgebracht worden sei, habe es dafür kein Geld gegeben – aber vielleicht sei einfach damals die Zeit damit noch nicht reif gewesen. Er schlage einen Jugendlandtag aller Länder der Europaregion vor; wenn dies heute hier beschlossen werden würde, dann könnte man den Vorschlag bei der Euregio-Sitzung am Samstag in Ala besprechen.
Magdalena Amhof (SVP) sagte, sie teile die Auffassung der Abg. Foppa: Ein Maturaball sei ein Lernfeld – und die Schüler sollten auch erfahren dürfen, dass nicht immer alles glatt gehe. Wenn eine externe Hilfe gewünscht sei, dann könne diese bereits geholt werden. Was die Jugendpartizipation anbelange: Noch vor 2000 habe sie ein solches Projekt in Brixen durchgeführt, dabei habe sie einen großen Fehler gemacht – nämlich, dass sie als Projektleiterin bestimmt habe, wie diese Partizipation zu erfolgen habe. Deshalb müssten auch beim Jugendlandtag schon bei der Projektausarbeitung die Jugendlichen hereingeholt werden. Grundsätzlich sei sie für die Entwicklung einer Beteiligungsform für Jugendliche, es böte sich dafür die Hilfe der Expertise der Jugendorganisationen an.
Diego Nicolini (5 Sterne Bewegung) verwies darauf, dass es die Maturabälle nur in der deutschsprachigen Schule gebe. Das finde er schade. Es sei eine langjährige Tradition, die aus dem angelsächsischen Raum stamme. Hier könnte man für gemeinsam etwas organisieren. Der Jugendlandtag wäre ein Raum, der geschaffen werden könnte.
Die Organisatoren der Bälle hätten ihm bei seinen Besuchen manchmal leidgetan, weil die Dinge – aus welchen Gründen auch immer – entglitten seien, so Landesrat Philipp Achammer. Deshalb sei er für eine Unterstützung. Bei den Experten sei er weniger für Vorgaben, sondern dafür den Rahmen zu schaffen. Die Forderung nach mehr Recht- und Wirtschaftskundeunterricht sei durchaus nachvollziehbar, aber dafür müssten andere Fächer reduziert werden. Bei der gesellschaftlichen Bildung werde derzeit eine Erhebung gemacht, um zu sehen, was sich tut und was wirklich sinnvoll sei – auch Dinge, die tief in Rechts- und Wirtschaftskunde hineinreiche. Als interessant erachte er den Vorschlag eines Jugendlandtags. Er schlage vor, den Antrag auszusetzen, um – nach dem Austausch mit dem Südtiroler Jugendring – einen gemeinsamen Vorschlag einzubringen.
Er wäre bereit, so Alex Ploner (Team K), den Antrag bis morgen Früh auszusetzen. Aus Erfahrung wisse er, dass die Jugendlichen sich nicht ernst genommen fühlten, weil man immer sage, man mache, und mache dann doch nicht. Es brauche einen Jugendlandtag in Südtirol, wenn zusätzlich ein Jugend-Dreier-Landtag eingerichtet werde, dann sei er auch dabei. Aber Vorschläge würden mitunter totgeredet, wenn man eine Entscheidung aufschiebe; er sei der Meinung, dass man ein klares Zeichen für die Jugend setzen müsse. Maturabälle seien für manche Klassen ein organisatorischer Everest, es werde viel gestritten, dann gehe es ums Geld – es sei nicht gut, wenn man die Jugendlichen in solchen Situationen ganz allein lasse. Deshalb einen Arbeitstisch.
Der Vorschlag sei gewesen, präzisierte LR Philipp Achammer, den Antrag auszusetzen, um zwei Punkte in Abstimmung mit den Jugendorganisationen umzuformulieren.
Alex Ploner (Team K) erklärte, dass er den Antrag heute zur Abstimmung bringen wolle.
Der Antrag wurde getrennt nach Prämissen und Punkten abgestimmt und mehrheitlich abgelehnt: die Prämissen mit 13 Ja, 17 Nein und 1 Enthaltung, Punkt 1 mit 10 Ja, 17 Nein und 4 Enthaltungen, Punkt 2 mit 14 Ja, 16 Nein und 2 Enthaltungen, Punkt 3 mit 15 Ja und 17 Nein und Punkt 4 (Jugendlandtag) mit 15 Ja und 16 Nein.
(Fortsetzung folgt)
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Südtiroler Landtag
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